Fritz Lang (1890–1976) zählt zu den wichtigsten Akteuren der Filmgeschichte. In den 1920er- und 1930er-Jahren machte er sich als Drehbuchautor und später als Regisseur einen Namen. Dabei setzte Lang gezielt innovative filmtechnische Mittel ein und schuf Werke, die bis heute als Meilensteine des Stumm- und frühen Tonfilms gelten. Dieses Digitorial widmet sich der Biografie dieses Ausnahmeregisseurs und präsentiert ausgewählte Materialien aus der umfangreichen filmbegleitenden Sammlung des Filmarchiv Austria.
Anfänge
Fritz Lang wurde am 5.12.1890 in Wien geboren. Auf Wunsch seiner Familie begann er 1907 ein Architekturstudium an der Technischen Hochschule Wien. Da ihn der Beruf, den bereits sein Vater ausübte, jedoch kaum interessierte, brach er das Studium nach kurzer Zeit ab und wechselte an die Akademie der bildenden Künste, wo er Malerei studierte. Wenig später zog es ihn nach München, wo er an der Kunstgewerbeschule von Julius Diez unterrichtet wurde. Auch dort blieb Lang nicht lange sesshaft. Stattdessen begab er sich auf Reisen, die ihn unter anderem nach Nordafrika, Asien und schließlich nach Paris führten. Dort begann er sich intensiv mit dem jungen Medium Film auseinanderzusetzen und erkannte dessen künstlerisches Potenzial.
Fritz Lang
Drehbücher
Nach seiner Rückkehr nach Österreich wurde Lang 1915 zum Militärdienst eingezogen und an die Front des Ersten Weltkriegs geschickt. Mehrere Verwundungen führten zu längeren Aufenthalten in Lazaretten, die er dazu nutzte, erste Drehbücher zu verfassen.
Zu seinen frühen Arbeiten zählen HILDE WARREN UND DER TOD (D 1917) sowie Kriminalgeschichten für die populären Filmdetektive Stuart Webbs, darunter DIE PEITSCHE (D 1916), und Joe Deebs, etwa DIE HOCHZEIT IM EXCENTRIC-CLUB (D 1917).
Filmprogramm Kivur #3920 HILDE WARREN UND DER TOD (D 1917)
Darüber hinaus sammelte Lang erste praktische Erfahrungen als Regisseur, indem er im Rahmen der Truppenbetreuung Bühnenaufführungen inszenierte. Bereits in dieser frühen Phase verband er schriftstellerische Arbeit mit dem Wunsch, filmische Stoffe selbst gestalterisch umzusetzen.
Erste Filmregie
Zu den wichtigsten Wegbegleitern Fritz Langs in den Anfangsjahren seiner Filmkarriere in Berlin gehörte Erich Pommer, der Produktionsleiter der DECLA-Bioscop. Er engagierte Lang zunächst als Dramaturgen und ermutigte ihn, sich intensiv mit den praktischen Möglichkeiten des Films auseinanderzusetzen. Da Lang seine Stoffe nicht nur schreiben, sondern auch selbst inszenieren wollte, nutzte er jede Gelegenheit, die Arbeit mit der Kamera sowie die Abläufe im Filmatelier kennenzulernen.
Werbeanzeige für Langs erste Regiearbeit HALBBLUT (D 1919) [ANNO/ÖNB, Neue Kino-Rundschau 17.5.1919]
1919 verfasste er schließlich ein Manuskript, das die DECLA (laut Lang) unter der Bedingung erwarb, ihm auch die Regie zu übertragen. Auf diese Weise entstand Langs erste eigenständige Regiearbeit. Das vieraktige Stummfilmdrama HALBBLUT wurde am 3.4.1919 im Berliner Marmorhaus uraufgeführt und markierte den Beginn einer Regiekarriere, die ihn innerhalb weniger Jahre zu einem der bedeutendsten Filmschaffenden der Weimarer Republik werden ließ.
Abenteuer-Stoffe
Plakate DIE SPINNEN 1. TEIL – DER GOLDENE SEE und DIE SPINNEN 2. TEIL – DAS BRILLANTENSCHIFF
Abenteuerfilme mit Schauplätzen in fernen Ländern erfreuten sich in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg großer Beliebtheit. Auch Fritz Lang griff diesen Publikumsgeschmack auf und rückte geheimnisvolle Kulturen und spektakuläre Schauplätze in den Mittelpunkt. Unter seiner Regie entstanden DIE SPINNEN 1. TEIL: DER GOLDENE SEE (D 1919) sowie DIE SPINNEN 2. TEIL: DAS BRILLANTENSCHIFF (D 1920), in denen sich bereits Langs Gespür für spannungsreiche Dramaturgie und visuelle Inszenierung erkennen lässt.
Gemeinsam mit Thea von Harbou, die er 1922 heiratete, entwickelte Lang das Drehbuch zu DAS INDISCHE GRABMAL. Die monumentale zweiteilige Produktion wurde unter der Regie von Joe May realisiert und 1921 uraufgeführt. Obwohl Lang die Regie nicht selbst übernahm, ist das Werk der Beginn einer langjährigen Zusammenarbeit mit von Harbou, aus der zahlreiche Filmklassiker hervorgingen.
Zentrale Produktionen der deutschen Filmgeschichte
DR. MABUSE, DER SPIELER I – DER GROSSE SPIELER. EIN BILD DER ZEIT (D 1922)
Mit Beginn der 1920er Jahre wandte sich Fritz Lang zunehmend ambitionierten Filmprojekten zu, die heute zu den markantesten Werken der deutschen Filmgeschichte zählen. Seine Filme verbanden Elemente aus Mythologie, Sagenwelt und Melodram mit den gestalterischen Möglichkeiten des Kinos und überführten traditionelle Erzählmuster in eine moderne filmische Form. Dabei verstand Lang populäre Stoffe keineswegs als bloße Unterhaltung, sondern als Ausdruck zeitloser menschlicher Erfahrungen und grundlegender gesellschaftlicher Fragestellungen.
Unter seiner Regie entstanden innerhalb weniger Jahre DER MÜDE TOD (D 1921), DR. MABUSE, DER SPIELER (zwei Teile, D 1922) sowie DIE NIBELUNGEN (zwei Teile, D 1924). Diese Werke begründeten seinen internationalen Ruf als Regisseur und zeichneten sich durch ihre außergewöhnliche visuelle Gestaltung, ihre Dramaturgie und ihre symbolische Bildsprache aus.
Fritz Lang
METROPOLIS
Mit METROPOLIS (D 1927) schuf Fritz Lang einen der bedeutendsten Filme der Stummfilmzeit. Der Film entwirft das Bild einer futuristischen Großstadt, deren gesellschaftliche Ordnung auf einer strikten Trennung zwischen einer privilegierten Oberschicht und einer unterirdisch arbeitenden Masse beruht. Technischer Fortschritt erscheint dabei ebenso als Ausdruck menschlicher Leistungsfähigkeit wie als Ursache sozialer Entfremdung und Unterdrückung.
Filmprogramm Kivur #2880 METROPOLIS (D 1927)
Die monumentale Inszenierung, die visionäre Architektur sowie der innovative Einsatz von Spezialeffekten machten METROPOLIS zu einem Meilenstein der Filmgeschichte. Zugleich bündelt der Film Themen, die Langs Werk nachhaltig prägen sollten: Herrschaft, Technik, soziale Gegensätze sowie das Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Masse. Die expressionistisch beeinflusste Bildgestaltung verbindet sich dabei mit einer präzise komponierten Architektur des Raumes, in der Gebäude, Maschinen und Menschen zu einem geschlossenen visuellen System verschmelzen.
Der Produktionsaufwand machte METROPOLIS zur teuersten deutschen Stummfilmproduktion seiner Zeit. Obwohl der Film heute als Klassiker gilt und zu den einflussreichsten Science-Fiction-Filmen überhaupt zählt, wurde er bei seiner Uraufführung überwiegend kritisch aufgenommen und blieb wirtschaftlich hinter den Erwartungen zurück. Die hohen Produktionskosten belasteten die UFA erheblich und trugen zu ihrer angespannten wirtschaftlichen Situation bei.
Letzte Stummfilme
Nach METROPOLIS standen Fritz Lang für seine folgenden Produktionen deutlich geringere finanzielle Mittel zur Verfügung. Dennoch entstanden mit SPIONE (D 1928) und DIE FRAU IM MOND (D 1929) zwei Werke, die sein Regietalent eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Filmprogramm Illustrierter Film-Kurier (Berlin) o. Nr. FRAU IM MOND (D 1929)
SPIONE entwickelt ein komplexes Geflecht aus Täuschung, Überwachung und internationaler Intrige. DIE FRAU IM MOND gehört zu den frühen Höhepunkten des Science-Fiction-Genres. In beiden Streifen werden die Hauptrollen von Willy Fritsch und Gerda Maurus verkörpert.
Die Fachzeitschrift Mein Film befindet, dass nur Fritz Lang imstande sei, solche Filme zu drehen: »Jeder einzelne seiner Filme ist ein Markstein auf dem Entwicklungswege des deutschen Films.«
»Fritz Lang. Kein Interview« [ANNO/ÖNB, Mein Film 203/1929]
Tonfilm
Mit dem Übergang vom Stumm- zum Tonfilm begann für Fritz Lang eine neue Schaffensphase. Anders als manche seiner Zeitgenossen verstand er den Ton nicht als bloße Ergänzung des Bildes, sondern als eigenständiges erzählerisches Gestaltungsmittel. Dialog, Musik und Geräusche sollten die filmische Handlung unterstützen, ohne dabei die Bildsprache zu dominieren. Zum Thema Dialog im Film vertrat Lang einen klaren Standpunkt:
»Darüber läßt sich viel sagen. Zunächst natürlich: nur dort und nur soviel Dialog, wie notwendig ist. Überhaupt — nichts Überflüssiges: tonlich und bildlich darf nur das gezeigt werden, was gezeigt werden muß. Der Ton muß ebenso etwas zu sagen haben, wie das Bild. Nichts darf einem Film unorganisch aufgepfropft werden, weder Sensationen, noch musikalische Schlager, noch Dialog. Nichts darf zum Selbstzweck werden und damit die Handlung retardieren, statt sie vorwärts zu treiben.«
»Darüber läßt sich viel sagen. Zunächst natürlich: nur dort und nur soviel Dialog, wie notwendig ist. Überhaupt — nichts Überflüssiges: tonlich und bildlich darf nur das gezeigt werden, was gezeigt werden muß. Der Ton muß ebenso etwas zu sagen haben, wie das Bild. Nichts darf einem Film unorganisch aufgepfropft werden, weder Sensationen, noch musikalische Schlager, noch Dialog. Nichts darf zum Selbstzweck werden und damit die Handlung retardieren, statt sie vorwärts zu treiben.«
1931 begann er für die Nero-Film mit den Dreharbeiten zu seinem Tonfilmtriumph M. Erzählt wird die Geschichte eines Kindermörders, dessen Verbrechen eine ganze Großstadt in Angst versetzen. Während Polizei und Presse mit immer größerem Aufwand nach dem Täter suchen, beginnt schließlich auch die Berliner Unterwelt unter der Führung des Schränkers mit der Jagd und stellt den Mörder vor ein improvisiertes Tribunal. Polizei, Justiz, Öffentlichkeit und organisierte Kriminalität erscheinen als eng miteinander verflochtene Systeme, deren Grenzen zunehmend verschwimmen. Zugleich entwickelt Lang eine differenzierte Auseinandersetzung mit Schuld, Verantwortung und Selbstjustiz.
Filmprogramm Apollo-Premiere, 3.9.1931 M (D 1931)
Der gezielte Einsatz des Tons – etwa durch wiederkehrende akustische Motive oder das bewusste Wechselspiel von Geräusch und Stille – eröffnet neue erzählerische Möglichkeiten.
DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE
DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (D 1933)
Mit DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE griff Fritz Lang eine seiner bekanntesten Figuren erneut auf und entwickelte sie zugleich grundlegend weiter. Mabuse erscheint nun weniger als individueller Verbrecher denn als Verkörperung eines anonymen Machtprinzips, dessen Einfluss weit über die Grenzen einer einzelnen Person hinausreicht.
»Äußerer Anlaß, in den Titel meines neuen Films wieder den Namen des Dr. Mabuse hineinzunehmen, waren Anfragen von Kinofreunden und der Fachwelt, ob ich nicht meine damalige Arbeit jetzt in irgend einer Form abschließen wolle. Wenn ich aber an den Dr. Mabuse zurückdenke und mir die Liste seiner Verbrechen nochmals vor Augen halte, dann muß ich gestehen, daß diese ohne Ausnahme äußerst primitiv waren. Sie wissen, ich beschäftige mich viel mit Kriminalistik und habe mich auch mit den Fachleuten in den verschiedensten Ländern hierüber unterhalten. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß die wirklich großen Verbrechen — und das bestätigen auch die mir befreundeten Kriminalisten — viel komplizierter, viel raffinierter angelegt und ausgeführt werden, als die, von denen man in den Zeitungen liest. […] Dieses Problem wollte ich einmal ins Filmische übertragen. Das ist, in wenigen Worten zusammengefaßt, die Idee meiner neuen Arbeit.«
»Äußerer Anlaß, in den Titel meines neuen Films wieder den Namen des Dr. Mabuse hineinzunehmen, waren Anfragen von Kinofreunden und der Fachwelt, ob ich nicht meine damalige Arbeit jetzt in irgend einer Form abschließen wolle. Wenn ich aber an den Dr. Mabuse zurückdenke und mir die Liste seiner Verbrechen nochmals vor Augen halte, dann muß ich gestehen, daß diese ohne Ausnahme äußerst primitiv waren. Sie wissen, ich beschäftige mich viel mit Kriminalistik und habe mich auch mit den Fachleuten in den verschiedensten Ländern hierüber unterhalten. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß die wirklich großen Verbrechen — und das bestätigen auch die mir befreundeten Kriminalisten — viel komplizierter, viel raffinierter angelegt und ausgeführt werden, als die, von denen man in den Zeitungen liest. […] Dieses Problem wollte ich einmal ins Filmische übertragen. Das ist, in wenigen Worten zusammengefaßt, die Idee meiner neuen Arbeit.«
Gewalt und Terror gehen in diesem Film nicht mehr von Einzeltätern aus, sondern von Organisationen, ideologischen Strukturen und einem unsichtbaren Netzwerk krimineller Systeme.
Filmprogramm Illustrierter Film-Kurier (Wien) #603 DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE (D 1933)
Aufgrund seiner Thematik geriet der Film in das Visier der Nazis und wurde von Joseph Goebbels verboten. Seine Uraufführung fand daher am 21.4.1933 in Budapest statt; wenig später folgte am 12.5.1933 der Kinostart in Wien. In Deutschland konnte DAS TESTAMENT DES DR. MABUSE erst lange nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gezeigt werden und kam dort am 24.8.1951 erstmals regulär in die Kinos.
Emigration
Im Jahr 1933 verließ Fritz Lang Deutschland infolge der politischen Veränderungen. Die zunehmende Gleichschaltung des Kulturbetriebs, verschärfte Zensurmaßnahmen und die wachsende politische Einflussnahme auf die Filmproduktion machten eine unabhängige künstlerische Arbeit für ihn zunehmend unzumutbar.
Filmprogramm Illustrierter Film-Kurier (Wien) #1023 LILIOM (F1934)
Lang ging zunächst nach Frankreich, wo er mit LILIOM (F 1934) seine einzige französischsprachige Regiearbeit realisierte. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Ferenc Molnár und erzählt die Geschichte eines Jahrmarktsausrufers, dessen Leben von Liebe, sozialem Abstieg und persönlichem Scheitern bestimmt wird.
Mit LILIOM schloss Fritz Lang seine europäische Schaffensphase vorerst ab. Wenig später emigrierte er in die Vereinigten Staaten.
Hollywood
Am Set von FURY (US 1936)
Die Emigration bedeutete einen Einschnitt in seiner Karriere. Lange Zeit stand Fritz Langs amerikanisches Filmschaffen im Schatten seiner Werke aus der Weimarer Republik. An die Stelle einer wertenden Gegenüberstellung von Weimarer Kino und Hollywoodproduktion tritt heute in der filmwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Langs Werk eine Untersuchung der ästhetischen Verfahren, mit denen Lang innerhalb des klassischen Studiosystems arbeitete. Dabei richtet sich das Interesse vor allem auf die filmische Form: Bildkomposition, Rauminszenierung, Lichtführung und Erzählstruktur werden als zentrale Gestaltungsmittel verstanden, durch die Lang seine Themen und Motive weiterentwickelte.
Der Wiener – der am 24.11.1939 amerikanischer Staatsbürger wurde – drehte gut besetzte und von großen Filmfirmen produzierte Produktionen, seine ersten Werke waren FURY (US 1936) und YOU ONLY LIVE ONCE (US 1937).
Krimis und Film-Noir
MINISTRY OF FEAR (US 1944)
In den folgenden Jahren etablierte sich Fritz Lang als Regisseur des amerikanischen Kriminalfilms und des Film Noir. Dabei nutzte er die Möglichkeiten des klassischen Hollywoodkinos, ohne seine eigene filmische Handschrift aufzugeben. Vielmehr verband er die stilistischen Konventionen des Genres mit einer konsequenten Auseinandersetzung mit moralischen und gesellschaftlichen Fragestellungen.
Fritz Lang mit einem Szenenmodell für HANGMEN ALSO DIE! (US 1943)
Zu seinen wichtigsten amerikanischen Produktionen zählen unter anderem MAN HUNT (US 1941), HANGMEN ALSO DIE! (1943), MINISTRY OF FEAR (US 1944), THE BIG HEAT (US 1953) und BEYOND A REASONABLE DOUBT (US 1956). Seine Filme waren mitunter stark durchdrungen von antinazistischen Motiven, Warnungen vor totalitärer Herrschaft und direkter Kritik am NS-Regime.
Rückkehr nach Europa
»Ich habe eine Menge Pläne, wie immer. Aber bis jetzt liegt noch nichts fest, auch noch nicht für Deutschland. Ich will mich bei euch nur ein bisserl umschauen — nach so vielen Jahren.«
»Ich habe eine Menge Pläne, wie immer. Aber bis jetzt liegt noch nichts fest, auch noch nicht für Deutschland. Ich will mich bei euch nur ein bisserl umschauen — nach so vielen Jahren.«
1958 kehrte Fritz Lang nach Deutschland zurück, um erstmals seit seiner Emigration wieder Filme in Europa zu realisieren. Gemeinsam mit dem Produzenten Artur Brauner entstand zunächst eine Neuverfilmung eines bereits in den frühen 1920er Jahren entwickelten abenteuerlichen Stoffes: Die beiden Filme DER TIGER VON ESCHNAPUR (BRD/FI 1959) und DAS INDISCHE GRABMAL (BRD/F/I 1959) schließen bewusst an die Tradition des Monumentalkinos an, konnten jedoch weder an den internationalen Erfolg seiner früheren Werke noch an die Erwartungen der zeitgenössischen Kritik anknüpfen.
Anschließend wandte sich Lang noch einmal einer seiner bekanntesten Figuren zu. Mit DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE (BRD/F/I 1960) griff er den Mabuse-Mythos erneut auf und übertrug ihn in die gesellschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit. Überwachung, Informationskontrolle und die allgegenwärtige Beobachtung des Individuums bilden nun den thematischen Mittelpunkt und verleihen der Figur Mabuse eine neue Aktualität. Der Film blieb Langs letzte Regiearbeit. Nach deren Abschluss beendete er seine Tätigkeit im Filmgeschäft und kehrte nach Kalifornien zurück
DIE 1000 AUGEN DES DR. MABUSE (BRD/F/I 1960)
LE MÉPRIS
In der Nachkriegszeit galt Fritz Lang zunehmend als einer der einflussreichsten Regisseure seiner Generation. 1963 holte ihn der französische Nouvelle-Vague-Regisseur Jean-Luc-Godard aus seinem Refugium in Beverly Hills für die Rolle des Filmregisseurs in LE MÉPRIS.
Im selben Jahr wurde ihm in Deutschland das Filmband in Gold für sein Lebenswerk verliehen – eine Auszeichnung, die seinen herausragenden Beitrag zur deutschen und internationalen Filmgeschichte würdigte.
Eine Schlüsselfigur der Filmgeschichte
Fritz Lang verstarb am 2.8.1976 in Beverly Hills, Kalifornien. Er zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der Filmbranche. Sein Werk verbindet die ästhetischen Innovationen des deutschen Stummfilms mit den erzählerischen und stilistischen Entwicklungen des klassischen Tonfilms und reicht von den expressionistisch geprägten Produktionen der Weimarer Republik bis zu den Kriminal- und Film-Noir-Werken Hollywoods.
Über mehrere Jahrzehnte hinweg beschäftigte sich Lang mit grundlegenden Fragen nach Macht, Kontrolle, Verantwortung und individueller Freiheit. Wiederkehrende Themen wie Überwachung, technische Entwicklung, gesellschaftliche Ordnung und moralische Verantwortung durchziehen sein gesamtes Werk und verleihen ihm bis heute eine bemerkenswerte Aktualität. Dabei verstand Lang das Kino nicht allein als Unterhaltungsmedium, sondern als eigenständige Kunstform, die gesellschaftliche Entwicklungen reflektieren und sichtbar machen kann.
Fritz Lang beeinflusste und beeinflusst Generationen von Filmschaffenden. Seine Werke gehören zum Kanon der internationalen Filmgeschichte und sind nach wie vor Gegenstand filmwissenschaftlicher Forschung sowie Retrospektiven.
Konzept + Text: Kristina Höch
Bildredaktion: Aldijana Bećirović